Stiftungseigene kirchliche Immobilien und deren Entwicklung sind als ein vielschichtiges Thema zu betrachten. Aspekte wie die Mitgliederentwicklung und die Entwicklung der zur Verfügung stehenden Finanzmittel haben Einfluss auf die Immobilienfragen, ebenso wie die sich verändernden pastoralen Anforderungen und Möglichkeiten. Zuletzt verfügen die kirchlichen Stiftungen über einen Immobilienbestand, der hinsichtlich der Beschaffenheit nicht ohne weiteres mit den Gebäuden anderer Immobilieneigentümer vergleichbar ist. Dies alles gilt es bei der Beratung zu den kirchlcihen Gebäuden zu berücksichtigen.
Bereits seit Jahren ist die Zahl der katholischen Gemeindemitglieder im Erzbistum Bamberg rückläufig. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich dieser Trend in absehbarere Zeit ändert. – Im Gegenteil. Wenn die schon seit Jahren zu verzeichnenden Entwicklungen anhalten, muss damit gerechnet werden, dass sich auf Grundlage der rückläufigen Mitgliederzahlen und der sich deutlich verändernden Altersstruktur ein überproportionaler Rückgang der erwerbstätigen Gemeindemitglieder ergibt. Diese Entwicklung wird sich erheblich auf die verfügbaren Finanzmittel (insbesondere Kirchensteuereinnahmen) auswirken. Stetig steigende Baukosten werden daher zukünftig voraussichtlich weiterhin deutlich sinkenden Einnahmen gegenüberstehen.
Der Wandel in Gesellschaft und Kirche macht auch eine Neuausrichtung der Pastoral in den Pfarreien notwendig. Strukturell wurde diesem Wandel in einem ersten Schritt durch die Bildung der Seelsorgebereiche Rechnung getragen.
Zugleich verändern sich die Möglichkeiten für pastorale Angebote in den Seelsorgebereichen auf Grund des Rückgangs des hauptamtlichen pastoralen Personals aber auch der Ehrenamtlichen.
Eine pastorale Neuausrichtung bedingt auch eine Veränderung der Anforderungen an die Größe, den Zuschnitt, die Ausstattung und die Lage der pastoral benötigten Räumlichkeiten.
Die Pastoral muss sich auf weniger Orte in der Fläche konzentrieren. Mit dem zur Verfügung stehendem pastoralen Personal lässt sich ein reichhaltiges flächendeckendes Gottesdienstangebot nicht in jedem Ort aufrechterhalten.
Der Immobilienbestand der Kirchenstiftungen ist historisch gewachsen. Gründung neuer Pfarreien durch Vertriebene auch in den Diasporagebieten der Erzdiözese, ein fast flächendeckender Bau von Gemeindehäusern, Pfarrzentren und Kindertagesstätten sowie die günstige Finanzentwicklung haben den Immobilienbestand in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts stark ansteigen lassen.
Vor allem in zwei Bereichen werden die ortskirchlichen Rechtsträger Herausforderungen gegenüberstehen. Der hohe Bestand an historischen Gebäuden, insbesondere Kirchen und Kapellen, aber auch Pfarrhäuser, erfordert eine Anstrengung, das historische und kulturelle Erbe unserer Heimat zu bewahren und weiterhin mit christlichem Leben zu erfüllen. Darüber hinaus verursachen die nach den damaligen Nutzungsanforderungen und Baubestimmungen errichteten Kirchen und Gemeindehäuser aus den 1960‐er und 1970‐er Jahren einen hohen baulichen und finanziellen Aufwand zur Sanierung und Anpassung an die heutigen Erfordernisse (Energieeinsparung, Brandschutz, Barrierefreiheit usw.). Hinzu kommt, dass vielerorts großflächige Räume geschaffen wurden, die sich heute als zu groß oder nutzungs- bzw. gebäudetechnisch problematisch erwiesen haben (z. B. Gemeinderäume im Untergeschoss von Kirchen oder Kindergärten).
Jede Anpassung und Umformung des Immobilienbestandes benötigt Zeit. Jedes Gebäudekonzept ist daher langfristig zu denken und in die Zukunft gedacht zu erarbeiten.
Immobilien stellen eine der größten Vermögensgegenstände der Kirchenstiftungen dar. Ein sorgsamer Umgang mit diesem Vermögen, mit dessen Weiterentwicklung und Nutzung der vorhandenen Ressourcen ist daher dringend geboten.